Anna Brus

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

AE-B 206
anna.brus@uni-siegen.de
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Interkulturalität und Ästhetik, Sammlungs- und Ausstellungspraktiken des Primitivismus, Kunst(-wissenschaft) und Ethnographie, Fremddarstellungen in der visuellen Kultur Afrikas, Mediumismus in der rheinländischen Kunst der 60/70iger Jahre
Medien des Kulturkontakts – Medien der Kulturkritik. Julius Lips und die synoptische Ausstellungspraxis der Moderne

Das Forschungsprojekt untersucht die Zirkulation und Rezeption ausgewählter, außereuropäischer Kunstobjekte in den kuratorischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Handlungszusammenhängen der deutschen Moderne. Der Fokus liegt dabei auf der Sammlung des Kölner Ethnologen und Museumskurators Julius Lips, der Objekte und Fotografien zusammengetragen hat, die den Europäer bildlich darstellen. In verschiedenen Materialien gefasst, wurden diese Darstellungen als Medien der Fremderfahrung im Zuge der kolonialen Expansion Europas hergestellt und zirkuliert. Die Darstellungen von Soldaten, Offizieren, Händlern, Siedlern, Missionaren oder der Gegenstände der westlichen Warenwelt galten als wertlose Kuriositäten, zeugten sie doch vom vermeintlich kontaminierenden Einfluss der weißen Kultur auf die lokale Kunstproduktion. Die Objekte heben sich nicht nur oft durch ihren Naturalismus stark von der um 1900 in der Kunstwissenschaft und in Ausstellungen gefeierten „primitiven Kunst“ ab, die „abstrakt“ beziehungsweise „ornamental“ zu sein hatte. Ihre offensichtliche Zeitgenossenschaft betonte überdies die Gleichzeitigkeit europäischer und außereuropäischer Lebenswelten. Diese Artefakte des Kulturkontakts erfuhren in der Sammlung, Archivierung und medialen Vervielfältigung durch Julius Lips eine Aufwertung und sollten in einer Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung, die – anders als etwa die imaginären „Persischen Briefen“ – einen nicht fingierten Blick von außen auf die europäische Kultur realisiert hätte, wurde durch die Nationalsozialisten vereitelt. Bereits im Exil veröffentlichte Lips stattdessen 1937 das Buch „The Savage hits back“, in dem er in einer aufklärerischen Umwertung des Primitivismus den wechselseitigen Blick von Kolonisatoren und Kolonisierten vor dem Hintergrund des europäischen Faschismus thematisierte und die außereuropäischen Darstellungen als Medien radikaler Kulturkritik interpretierte. Die Hypothese des Dissertationsprojektes ist, dass Lips mit dieser „Inversion des Blicks“ auf die eigene Kultur eine neue und auf den Postkolonialismus voraus weisende Operation des Kulturvergleichs entwickelte, die kuratorische, künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit außereuropäischer Kunst seit der Jahrhundertwende aufnahm und zugleich zuspitzte. Durch den Nachvollzug der medialen Vermittlungsschritte dieses Kulturkontakts – von lokaler Produktion und Aneignung, über Zirkulation, Archivierung und Ausstellung, zur Rezeption und Verbreitung in verschiedenen Medien – sollen die Bedingungen in den Blick genommen werden, unter denen außereuropäische Artefakte zu „Grenzobjekten“ (Star/Griesemer 1989) in den Kooperationszusammenhängen an unterschiedlichen Orten wurden. Dabei soll die Rekonstruktion dieser institutionellen und medialen Verflechtungsgeschichte dazu beitragen, nicht nur die Ausstellungspraxis und das schriftstellerische Werk Lips’, sondern die Begegnung mit dem „Anderen“ in der deutschen Moderne entlang künstlerischer, wissenschaftlicher und kuratorischer Übersetzungsketten zu verorten und hinsichtlich ihrer kulturrelativierenden und kolonialkritischen Potentiale zu hinterfragen.

Das Forschungsprojekt untersucht die Zirkulation und Rezeption ausgewählter, außereuropäischer Kunstobjekte in den kuratorischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Handlungszusammenhängen der deutschen Moderne. Der Fokus liegt dabei auf der Sammlung des Kölner Ethnologen und Museumskurators Julius Lips, der Objekte und Fotografien zusammengetragen hat, die den Europäer bildlich darstellen. In verschiedenen Materialien gefasst, wurden diese Darstellungen als Medien der Fremderfahrung im Zuge der kolonialen Expansion Europas hergestellt und zirkuliert. Die Darstellungen von Soldaten, Offizieren, Händlern, Siedlern, Missionaren oder der Gegenstände der westlichen Warenwelt galten als wertlose Kuriositäten, zeugten sie doch vom vermeintlich kontaminierenden Einfluss der weißen Kultur auf die lokale Kunstproduktion. Die Objekte heben sich nicht nur oft durch ihren Naturalismus stark von der um 1900 in der Kunstwissenschaft und in Ausstellungen gefeierten „primitiven Kunst“ ab, die „abstrakt“ beziehungsweise „ornamental“ zu sein hatte. Ihre offensichtliche Zeitgenossenschaft betonte überdies die Gleichzeitigkeit europäischer und außereuropäischer Lebenswelten. Diese Artefakte des Kulturkontakts erfuhren in der Sammlung, Archivierung und medialen Vervielfältigung durch Julius Lips eine Aufwertung und sollten in einer Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung, die – anders als etwa die imaginären „Persischen Briefen“ – einen nicht fingierten Blick von außen auf die europäische Kultur realisiert hätte, wurde durch die Nationalsozialisten vereitelt. Bereits im Exil veröffentlichte Lips stattdessen 1937 das Buch „The Savage hits back“, in dem er in einer aufklärerischen Umwertung des Primitivismus den wechselseitigen Blick von Kolonisatoren und Kolonisierten vor dem Hintergrund des europäischen Faschismus thematisierte und die außereuropäischen Darstellungen als Medien radikaler Kulturkritik interpretierte. Die Hypothese des Dissertationsprojektes ist, dass Lips mit dieser „Inversion des Blicks“ auf die eigene Kultur eine neue und auf den Postkolonialismus voraus weisende Operation des Kulturvergleichs entwickelte, die kuratorische, künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit außereuropäischer Kunst seit der Jahrhundertwende aufnahm und zugleich zuspitzte. Durch den Nachvollzug der medialen Vermittlungsschritte dieses Kulturkontakts – von lokaler Produktion und Aneignung, über Zirkulation, Archivierung und Ausstellung, zur Rezeption und Verbreitung in verschiedenen Medien – sollen die Bedingungen in den Blick genommen werden, unter denen außereuropäische Artefakte zu „Grenzobjekten“ (Star/Griesemer 1989) in den Kooperationszusammenhängen an unterschiedlichen Orten wurden. Dabei soll die Rekonstruktion dieser institutionellen und medialen Verflechtungsgeschichte dazu beitragen, nicht nur die Ausstellungspraxis und das schriftstellerische Werk Lips’, sondern die Begegnung mit dem „Anderen“ in der deutschen Moderne entlang künstlerischer, wissenschaftlicher und kuratorischer Übersetzungsketten zu verorten und hinsichtlich ihrer kulturrelativierenden und kolonialkritischen Potentiale zu hinterfragen.
1994-98 Studium der Islamwissenschaft, Orientalischen Kunstgeschichte, Orientalischen Philologie und Politikwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn und an der Ruhr-Universität Bochum

1998-99 Studienaufenthalt am British Council, Kairo

1999-2006 Studium der Kunstgeschichte und Islamwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen

SS 1999-2001 Wissenschaftliche Hilfskraft und Tutorin, Institut für Kunstgeschichte, Universität Tübingen

SS 2001 Gasthörer an der Sorbonne, Institut d’Art et Archéologie, Paris

2001-2003, 2006-2008 Elternzeit

2008 Abschluss in Kunstgeschichte und Islamwissenschaft, Universität Tübingen, Thema der Magisterarbeit: „Delacroix’ Bildnis des Mulay Abd al-Rahman“, Gesamturteil: „mit Auszeichnung“

SS 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaften Universität Siegen (Vertretung Lehrstuhl Dr. Marcus Hahn)

SS 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt Trancemedien – Neue Medien, Institut für Medienwissenschaften Universität Siegen (Vertretung Dr. Markus Hahn, Ergänzungsausstattung)

„Medien der Fremderfahrung – Objektgeschichte(n) aus der Sammlung Lips“, Mai 2015, Kolloquium zur Kunst Afrikas, FU Berlin.

„Der „Para“ an der Düsseldorfer Akademie der 60/70iger Jahre. Ein Rekonstruktionsversuch“,Mai 2015, Workshop „Kunst und Okkultismus nach 1945“ im Museum für Gegenwartskunst in Siegen.

„Die Erfindung der Weltkunst um 1900 – populäre Sammelbände und Ausstellungsinszenierungen zwischen Kulturrelativismus und Evolutionismus“, April 2015, Workshop „Sprache und Topik populärer Kunstgeschichte“

„Utopian Visions in Exhibitionary Spaces – World Art in the German Weimarer Republik“, August 2014, Konferenz „Utopia“, The 4th International Conference of the European Nework for Avantgarde and Modernism Studies, Helsinki, Panel: „Primitivist Utopia from Tzara to Polke“.

„The European as the „Other“ – Julius Lips and the Inversion of Primitivism“, November 2013, First International Symposium on Primitivism, Universitat Pompeu Fabra, Barcelona

„Der Stachel des Fremden in der globalen Kunst – Zirkulierende Artefakte und Ausstellungspraktiken in der kolonialen Moderne“, November 2013, Ringvorlesung „locating media“, Universität Siegen.

„Sammeln, Ordnen, Vergleichen. Die Domestizierung fremder Dinge“, Oktober 2013, Jahreskonferenz Gesellschaft für Medienwissenschaften „Medien der Wissenschaften“, Lüneburg.

„Laboratorien des Kulturvergleichs. Epistemische Dinge in Bewegung“, September 2013, Workshop der Theaterwissenschaft in Köln: „Theater – Medien – Objekte. Kulturgeschichte(n) der Kulturwissenschafte(n)“.

„Contesting the exhibitionary order. Julius Lips and the inverted gaze“, Juli 2013, International Summerschool „Situating Media. Ethnographic Inquiries into Mediation“, Universität Siegen.

„Julius Lips und die Umkehrung des Blicks“, März 2013, Abendvortrag im Rautenstrauch-Joest Museum in Köln.

„Austellungspraktiken zwischen Primitivismus und inversiver Ethnographie“, Januar 2013, „Vom Feld ins Labor und zurück. Die neuen Projekte im Graduiertenkolleg locating media, Universität Siegen.

„Die ganze Welt in Farbe. Fotografische Erkundungen des Fremden und Eigenen in der kolonialen Moderne“, gehalten am 1. 7. 2010 im Rahmen der Ausstellung „Städte der Welt. Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert Kahn im Dialog mit der fotografischen Sammlung“ im Stadtmuseum Düsseldorf.

Sommersemester 2009 „Bildmedien und Kulturkontakt. Koloniale Begegnungen und (Selbst-) Repräsentation“. Modul Medienkultur, (BA), Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften, Universität Siegen

Sommersemester 2009 (gemeinsam mit Martin Zillinger): „Trance Medien und Neue Medien. Ethnographie und Theoriebildung des gegenwärtigen Medienumbruchs“, Modul Medienkultur, (MA),  Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften, Universität Siegen

2015 (voraus. Okt.) „Globale Zeitgenossenschaft und Alterität“, in: Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 2/2015, Begeisterung und Blasphemie, hrsg. von Erhard Schüttpelz und Martin Zillinger.

2015 (voraus./mit Clara Himmelheber und Lisa Steinberger): „Thomas Onajeje Odulate – a nigerian artist portraying colonial officials.“

2013 „Laboratorien kultureller Ausdrucksformen. Das Eigene und das Fremde im Vergleich“, in: Navigationen, Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften Jg. 13, H. 2, Vom Feld zum Labor und zurück, hrsg. v. Raphaela Knipp/Johannes Paßmann/Nadine Taha, S. 17-33.

2013 „Die ganze Welt in Farbe. Fotografische Erkundungen des Fremden und Eigenen in der kolonialen Moderne“, in: Ausstellungskatalog zur Ausstellung Städte der Welt. Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert Kahn im Dialog mit der fotografischen Sammlung, hrsg. v. Christoph Danelzik-Brüggemann, Stadtmuseum Düsseldorf, S. 54-62.

2009 (mit Dr. Martin Zillinger): Trophäen der Vorstellungskraft, in: Ausstellungskatalog zur Ausstellung „Johannes Brus. Giving Picture for Throphy“, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, S. 54-62.

2006 lemmata: Baptisterium, Buleuterion, Madrasa, Rathaus, Verwaltungsgebäude, Zikkurat, in: Ernst Seidl (Hg.): Lexikon der Bautypen, Leipzig: Reclam, Mitarbeit Redaktion