Christoph Borbach

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

AH-309
borbach@locatingmedia.uni-siegen.de
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  • Medienarchäologie des Echos
  • Medientheorie der Stimme
  • Wissensgeschichte der Verzögerung
  • Operationalisierung des Sonischen
  • Zeitkritische Ortungstechnologien und ihre Visualisierungsstrategien
  • Medien des Okkulten – Das Okkulte der Medien
Zeitkanäle | Kanalzeiten. Eine Mediengeschichte des Δt

Sound Studies haben Konjunktur. Die seit über einem Jahrzehnt intensiv stattfindende Forschung zum Oberthema der Auditiven Kultur und der auditiven Verfasstheit der Wissenschaften betont hierbei die jahrhundertelange Vorherrschaft des Visuellen. Dass aber mit der Betonung des Auditiven zugleich die temporale Verfasstheit, Materialität und zeitkritische Räumlichkeit der Sonik nach eigenem Recht gemeint sein muss, verschweigen diese Ansätze meist. Das vorliegende Projekt setzt hier an und insistiert auf die Operationalisierung des Sonischen, womit seine Zeitlichkeit und Zeithaftigkeit explizit wird.

Das Promotionsprojekt untersucht medientechnische Operationalisierungen und Implementierungen realphysikalischer Laufzeit. Das originäre Wissen beziehungsweise Nichtwissen um exakte Zeitintervalle ist hierbei konstitutiv und markiert die epistemologische Trennlinie zwischen flüchtigen Speichern in Raum und Zeit einerseits, Ortungstechnologien auf Makro- und Mikroebene andererseits. Beides ist konkret und das heißt physikalisch ortsbezogen und als Solches materiell situiert. Eine Mediengeschichte des Δt hat sich hierbei der sonischen und somit zeitkritischen Verfasstheit von Medienprozessen auf fundamentaler Ebene zu widmen, bevor Verdinglichungen von Erkenntnissen in konkreten Medientechniken als chrono-logische Endpunkte non-linearer Wissensgenese untersucht werden können. Quer zur Historie stehende (Medien)Prozesse können so mediengeschichtlich und dennoch -archäologisch befragt werden.

Fokus des Vorhabens liegt auf den Medien und Medienprozessen der operationalisierten Zeitdifferenz und ihrer Diskursivierung: 1. Ortungstechnologien wie Sonar, Radar, GPS, 2. Auralisation, die synthetischer Erhörung auditiver Situationen, 3. Delay Lines und ihre multifunktionale Verwendung. Die etwaigen visuellen Phänomene (4.), die hierbei als Laufzeitvisualisierungen [‚Bildbarmachungen‘ als Analogon zur ‚Hörbarmachung‘ von Daten] durch Ortungstechnologien provoziert werden – synthetische Sonar-, Radar- aber auch Medizinische Bilder – verdienen eigene Aufmerksamkeit. Methodologisch versucht das Vorhaben die bisher vernachlässigte historische Quelle des Patents kritisch zu befragen sowie konkrete Situationen von Labor- und Feldforschung erkenntniswissenschaftlich und mikrogeschichtlich nachzuvollziehen. Zusammenfassend fokussiert die Arbeit Momente, in denen das Zeitkritische, entscheidende Momente für das Gelingen von Medientechnik, und das Zeitbasierte ineinanderfallen und fragt nach der wechselseitigen Bedingtheit der Zeitwe(i)sen [Wolfgang Ernst] von Natur einer-, Medientechnik andererseits. Die tatsächlichen Effekte, die sich aus dieser medientechnischen Verhandlung des realen Raums für die Wahrnehmung desselben für den Menschen ergeben, dürfen hierbei nicht vergessen werden.

  • seit April 2016: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg “Locating Media” der Universität Siegen
  • Okt. 2015: Masterarbeit zur technischen Implementierung und Operationalisierung von Echos
  • Jan. 2015: Forschungsaufenthalt im Harvard University Archive (Cambridge, USA)
  • Apr. 2014: Co-Kuration des international exploratory workshop „Technotrauma. From Analog to Digital“, 16.-17.04.2014, Medientheater, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2013-2014: SHK am Kollaborationsprojekt „Archiving Presence. From Analog to Digital“ zwischen Humboldt-Universität und Hebrew University of Jerusalem
  • Juni 2013: Co-Kuration der Ausstellung „Sound – Vision – Time. Paradigmen von Medien, Wissenschaft und Kunst“. 13.06-28.06.2013. Pergamon Palais Berlin
  • 2012-2015: Studium der Medienwissenschaft (M.A.), Humboldt-Universität zu Berlin
  • Sept. 2012: Bachelorarbeit zu Radiotheorien zwischen Kulturkritik und Medienepistemologie
  • 2011-2013: SHK am DFG-Projekt „Das private Seminar. Studentische Vereine als Ort der Wissenschaft“, Lehrstuhl Wissenschaftsgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2009-2012: Studium der Musik-, Medien- und Geschichtswissenschaft (B.A.), Humboldt-Universität zu Berlin
„Mister Phonograph. Echos Re-Inkarnation als Mann“. Arbeitstagung „Das Geschlecht musikalischer Dinge“. Hochschule für Musik, Detmold, 23.06.2017.

„Times of the In-Between. The Epistemic Background of Locative Media.“ International Interdisciplinary Conference „Geomedia 2017. Places of the In-Between.“ Karlstad University (Sweden). 12.05.2017.

„‚Zum Raum wird hier die Zeit‘. Zur Operationalisierung des Sonischen.“ 4. Jahrestagung der AG Auditive Medien und Sound Studies. Eberhard Karls Universität Tübingen. 20.01.2017.

„Medio Tempore. Zur temporalen Verfasstheit des Kanals“. Ringvorlesung „Locating Media: The Space is the Place is the Space“. Universität Siegen. 29.11.2016.

„Scheinbare Evidenz. Das vage Bildwissen sonischer Ortungstechnologien, 1916/2016“. INSISTKonferenz „Schafft Wissen. Gemeinsames und geteiltes Wissen in Wissenschaft und Technik“. Munich Center for Technology in Society (MCTS), Technische Universität München. 08.10.2016.

„Sprachspiele|Stimmsynthesen. Zur nachrichtentechnischen Genese des auditiven Pendants von ELIZA“. Tagung „’Hello, I’m ELIZA.‘ Zum 50. Geburtstag eines Chatbots“. Vintage Computing Festival Berlin (VCFB). 02.10.2016.

„Aktive Nicht-Teilhabe. Miszelle zum Thema Countermeasures, 1791|1943|1993“. Sommerakademie „Situationen der Teilhabe“ der Graduiertenkollegs „Locating Media“ (Siegen), „Lose Verbindungen“ (Hamburg) und der Forschergruppe „Mediale Teilhabe“ (Konstanz). Universität Konstanz. 12.09.2016.

„From Material to Sonic Soundings. Alexander Behm and the Temporalization of the Submarine Space in the Early 20th Century“. Institute of Experimental Design and Media Cultures, University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland, Basel. Exploratory Workshop „Sounding Out the Anthropocene. Investigating Sonic Media Ecologies“. 11.03.2016.

„Emulation – Simulation – Computation. Sprachsynthese von Empirie zu Theorie“. Humboldt-Universität zu Berlin. Game Circuits #14 „Sprach(-)Spiele“. Signallabor des Medienwissenschaftlichen Seminars. 15.01.2016.

„Auf der Suche nach der berechneten Zeit. Zeitschichten eines Zellulären Automaten“. Humboldt-Universität zu Berlin. Tagung „Time After Time. Zeit/Ge/Schichten des Computers“. 03.10.2015. [zusammen mit Thomas Nückel]

„Be-Stimmungen. Medienarchäologie und Ästhetik der Sprachsynthese“. Philipps-Universität Marburg/Lahn, AG Sprechwissenschaft. DGSS-Tagung „Stimme – Medien – Sprechkunst“. 01.10.2015

„Sirenic Irritations. Artificial Voices from Disembodied to De-Personalized“. Hebrew University of Jerusalem (Isreal), Department of Communication & Journalism. Conference „Archiving Presence. From Analog to Digital“. 30.04.2015

„Operative Echos. Zur (trans)sonischen Bestimmung von Räumen und Objekten“. Humboldt-Universität zu Berlin. Medienwissenschaftliches Kolloquium „Medien, die wir meinen“. 29.10.2014.

„(to) ping. Vom operationalisierten Hören zur ambivalenten Soundästhetik“. Blatt 3000 Nr. 8 (2017), S. 21-26.

„Experimentelle Praktiken. Apparative Radioexperimente in der Weimarer Republik“. Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften Jg. 17, H. 1 (2017), S. 117-134.

„(un)erhörte Stimmen – Affekte und Effekte einer genuinen Medien-Sprech-Kunst“. In: Kati Hannken-Illjes, Katja Franz, Eva-Maria Gauß, Friederike Könitz und Silke Marx (Hrsg.): Stimme–Medien–Sprechkunst = Reihe „Sprache und Sprechen“ Band 49 (Baltmannsweiler: Schneider, 2017), S. 86-97.

„Siren Songs and Echo’s Response: Towards a Media Theory of the Voice in the Light of Speech Synthesis“. On_Culture: The Open Journal for the Study of Culture 2 (2016). [peer reviewed] [Volltext: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2016/12354]  

„Game of Memories. Zeitschichten eines zellulären Automaten“. In: Stefan Höltgen und Jan Claas van Treeck (Hrsg.): Time to Play. Zeit und Computerspiel (Glückstadt: Werner Hülsbusch, 2016), S. 70-94. [zusammen mit Thomas Nückel]  

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