Judith Willkomm

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

AE-B 207
willkomm@locatingmedia.uni-siegen.de
+49 (0)271 740 3063

  • auditive Wahrnehmung als Mittel der Erkenntnis
  • Wissenschaftsforschung, Science and Technologie Studies
  • Praxistheorie, Sound Studies, sinnliche Ethnographie
  • Medienpraxeologie, Medienarchäologie
  • Archiv- und Museumsforschung, Stadtethnographie
  • Human-Animal Studies, kultureller Umgang mit Trauer und Tod
Wissenspraktiken jenseits des Labors: Eine (ethnographische) Feldstudie über (bioakustische) Feldstudien (Arbeitstitel)

Naturwissenschaftliche Feldstudien erlangen im Zuge des Klima-, Umwelt- und Artenschutzes immer mehr wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, da die computergestützte Datenerfassung und -analyse inzwischen sehr viel mobiler und die Felddaten somit viel schneller und leichter übertragbar, vergleichbar, auswertbar und publizierbar sind.

Doch wie beeinflussen und verändern Medien(technologien) die Themen und Fragestellungen in den naturwissenschaftlichen Feldforschungsprozessen und umgekehrt, welche Strategien entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die technischen Geräte an die Gegebenheiten im Feld anzupassen?

Am Beispiel der Bioakustik – einem Forschungsfeld, das sich mit den Lautäußerungen von Tieren und deren auditiver Wahrnehmung beschäftigt – wird das Promotionsprojekt das Aufkommen von digitalen Medientechnologien in Feldforschungsprozessen nachvollziehen. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei das Wechselspiel zwischen menschlicher Beobachtung und nicht-menschlicher Datenerhebung und die gegenseitigen Anpassungs- und Prägungsprozesse von Technik und Forschenden während der Feldarbeit.

Seit den 1980er Jahren rückten die Science and Technology Studies (STS) Interdependenzen zwischen wissenschaftlicher Forschung und technologischer Innovation auf der einen und gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Einflüssen auf der anderen Seite in den Fokus der Wissenschaftsforschung. Auf der Grundlage von empirischen Methoden wurde seitdem in den sog. Laborstudien der Faktenproduktion in hochtechnisierten, naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen nachgegangen. Jedoch mangelt es bislang an Untersuchungen, die sich explizit mit der naturwissenschaftlichen Arbeit im Feld und dem Einsatz von Medientechnologien im Forschungsprozess auseinandersetzen. Erst in jüngster Zeit scheint sich in der Wissenschaftsforschung ein Interesse an den Feldwissenschaften zu formieren, allerdings dominieren hier die wissenschafts-historischen Fallstudien. Ähnlich verhält es sich mit dem wachsenden Diskurs über auditive Wissens- und Medienkulturen in naturwissenschaftlichen Forschungsprozessen: auch hier stehen einschlägige empirische Untersuchungen noch aus.

Daher ist das Ziel dieser Promotion, den ethnographischen Ansatz der STS mit einer medientheoretischen Perspektive zu kombinieren und somit die wechselseitigen Einflüsse zwischen Forschenden, Forschungsfeld und Technik insbesondere in Bezug auf Feldforschungen und auditive Erkenntnisformen beschreibbar zu machen und somit sowohl für die Wissenschaftsforschung als auch für die Ethnologie und die Medienwissenschaft neue Themen und Methodenfelder zu erschließen.

  • seit April 2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen im Rahmen des von der DFG geförderten SFB „Medien der Kooperation“ im Teilprojekt A06 „Visuell integrierte klinische Kooperation“
  • Oktober 2015 bis März 2016: Doktorandenabschlußstipendium des DFG Graduiertenkollegs „Locating Media“ der Universität Siegen
  • Oktober 2012 bis September 2015: Doktorandin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg „Locating Media“ der Universität Siegen
  • Juni 2012: Abschluss Magistra Artium, Thema der Abschlussarbeit: „Wie wird der Ton zum Fakt? Zum Stellenwert von Tonaufnahmegeräten in der bioakustischen Feldforschung“
  • Oktober 2006 bis Oktober 2009: Konzeption und Realisation von Ausstellungs- und Publikationsprojekten (Siehe Organisation von Veranstaltungen und Publikationen)
  • Mai 2004 bis September 2012: Studentische Hilfskraft im Tierstimmenarchiv am Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Oktober 2003 bis Juni 2012: Magisterstudium mit den Hauptfächern Europäische Ethnologie und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 20.07.2016: “Not only an ordinary meadow: Enskillment and modes of perception in epistemic cultures”, talk at the EASA’s biennial conference University of Milano-Bicocca, Italy.
  • 17.06.2016: „The dark side of the moon“: Kittlers GFT im Schatten der ANT, Vortrag im Rahmen der Tagung „Aber noch gibt es Medien“ anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Herausgabe von Friedrich Kittlers Grammophon, Film, Typewriter, Universität Bonn, Alte Sternwarte.
  • 12.04.2016: Kommentar des Papers von Joeri Bruyninckx im Kolloquium „Epistemes of Modern Acoustics“ am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin-Dahlem.
  • 28.11.2015: „Auf der Stufe des Insektenohres“: Streifzüge durch die Geschichte der Bioakustik, im Rahmen des interdisziplinären Workshops „Zirpen, Bellen und Trompeten: Tierlaute in der Medien-, Literatur- und Wissensgeschichte“, Universität Luzern.
  • 23.07.2015: Mediatisierte Sinne: Zum Wechselspiel zwischen geschultem Ohr und Tonaufnahmegerät in bioakustischer Feldpraxis, im Panel „Technisierte Sinne – sinnliche Technik?“, 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde „Kulturen der Sinne“, Universität Zürich
  • 06.02.2015: skilled listening. Zur Bedeutung von Hörpraktiken in naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozessen, im Rahmen der Tagung Klang-Kontakte, der Isa Lohmann-Siems Stiftung im Warburg-Haus in Hamburg.
  • 05.02.2015: Roadmap for the beginning of a beautiful friendship. Some thoughts about the main differences between STS and German media theory within the International workshop “Roads less travelled. Exploring new connections between Media Research and STS” at the University of Siegen.
  • 10.07.2014: Skilled listening: The interplay of recording technology and trained ears in bioacoustic field research, within the Symposium „New Methods in Media Anthropology“ of the Working Group “Media Anthropology” of the German Anthropological Association in cooperation with Locating Media at the University of Siegen.
  • 18.06.2014: „ich seh halt nichts, ich hör nur was“ | Über implizites Hörwissen von Fledermäusen im Rahmen der interdisziplinären Konferenz „ Auditive Wissenskulturen – Das Wissen klanglicher Praxis“ in Graz, 18. – 21. Juni 2014.
  • 12.11.2013: Mediatisierte Sinne oder die Sinne der Medien: Erkenntnistheoretische Betrachtungen über Feldforschung, im Rahmen der Ringvorlesung von Locating Media an der Universität Siegen.
  • 25.10.2013: Zur Erforschung orts- und situationsbezogener Medienprozesse durch orts- und situationsbezogene Methoden (zusammen mit Niels Werber, Cornelius Schubert und Johannes Paßmann) beim Arbeitstreffen Mediale Veränderung erforschen: Zur empirischen Konzeptionalisierung von Medien- und Kommunikationswandel in Forschungsverbünden, Universität Bremen.
  • 03.10.2013: Tiere, Töne: Tatsachen? Zur Rolle von Medientechnologien in bioakustischer Feldforschung, im Rahmen der Jahrestagung „Medien der Wissenschaft“ der Deutschen Gesellschaft für Medienwissenschaft an der Leuphana Universität in Lüneburg.
  • 17.07.2013: Wie wird der Ton zum Fakt? Vortrag und Diskussion im Rahmen des Abschluss-Symposiums zur Datensammlung im Rahmen der Langzeit-Studie zu Gesangsverhalten und Brutbiologie der Nachtigall der AG Biokommunikation & Verhalten am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin.
  • 11.05.2013: Das forschende Ohr im Feld: Ethnologische Erkundungen in der Welt der Bioakustik, gehalten bei der 8. dgv-DoktorandInnen-Tagung  der Europäischen Ethnologie/ Volkskunde /Kulturanthropologie /Empirischen Kulturwissenschaft  an der Karl-Franzens-Universität in Graz.
  • 30.04.2013: Zur auditiven Medienkultur der Bioakustik, Vorstellung des Forschungsprojektes im Colloquium Sound & Sensory Studies“ des Sound Studies Lab von Holger Schulze an der Humboldt Universität zu Berlin.
  • 16.01.2013: zus. mit Anna Brus, Katja Glaser und Matthias Meiler: Überlegungen zu einer historischen Medienpraxeologie am Beispiel von Gemeindebriefen der 1960er Jahre, Sitzung gehalten im Seminar „Medienhistoriographische Methoden und Modelle“ (WS 2012/13) von Prof. Dr. Jens Schröter.
  • 11.01.2013: Das Ohr im Feld, ein Ausflug in die Bioakustik, gehalten beim Workshop „Vom Feld zum Labor und zurück. Die neuen Projekte im DFG-Graduiertenkolleg Locating Media“ an der Universität Siegen.
Mitarbeit an der Konzeption, Planung und Umsetzung der Installation „Sterben wollen | Denkraum Suizid“ auf den Grünflächen am Alexanderufer und vor dem Berliner Medizinhistorischen Museum in Berlin-Mitte, sowie umfangreiche Recherchearbeiten und Realisierung eines Begleitprogramms. Das Projekt entstand auf Eigeninitiative von Studierenden, Alumni und Lehrenden des Instituts für Europäische Ethnologie (IfEE) der Humboldt Universität zu Berlin (HU) sowie des Instituts für Kunst im Kontext (IfKiK) der Universität der Künste Berlin (UdK) (10.09 – 19.10.2009)

Internetlink: www.sterbenwollen.de

„Sensing the Street“: Dreisemestriges Studienprojekt am IfEE der HU mit anschließender Präsentation der Ergebnisse in den Ausstellungsräumen von drei Berliner Bezirksmuseen (09.11.2007 – 10.02.2008), danach in studentischer Eigenverantwortung Konzeption, Redaktion und Produktion des Ausstellungskataloges (Sensing the Street)³. Sinnliche Dokumentation einer ethnographisch-künstlerischen Stadtforschung.

Internetlink: www.sensingthestreet.de

Herausgaben:

2015: Über Suizid: Ein Berlin-Buch, Berlin: Panama Verlag (zus. mit Falk Blask, Wolfgang Knapp und Maren Michligk).

Handbuchartikel:

2014: „Klangmedien“, in: Jens Schröter (Hg.): Handbuch Medienwissenschaft, Stuttgart: J.B. Metzler, S. 279-288 (zus. mit Axel Volmar).

Aufsätze:

i.V.: „Ein Kommentar zur Eigensinnlichkeit von Medien“ in Publikation zum 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde „Kulturen der Sinne“ (Zürich/CH, 2015)

i.V.: „Ich seh´ ja nichts, ich hör nur was. Vom Wissen über das Hören und Nicht-Hören von Fledermäusen und Schwirlen“ in: Martin Winter und Bernd Brabec de Mori (Hg.): Auditive Wissenskulturen. Das Wissen klanglicher Praxis, Springer Verlag für Sozialwissenschaften.

2016: „skilled listening. Zur Bedeutung von Hörpraktiken in naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozessen“ in: Anna Symanczyk u.a. (Hg.): Klang-Kontakte: Kommunikation, Konstruktion und Kultur von Klängen, Berlin/Hamburg: Dietrich Reimer Verlag, S. 35-56

2014: „Mediatisierte Sinne und die Eigensinnigkeit der Medien. Für eine medientheoretische Sensibilisierung der sinnlichen Ethnographie“, in: Lydia Arantes, Elisa Rieger (Hg.): Ethnographien der Sinne. Wahrnehmung und Methode in empirisch-kulturwissenschaftlichen Forschungen, Bielefeld: Transcript Verlag, S. 39-56.

2013: „Feldstudien über Feldstudien: Ein wissenschaftshistorischer Rückblick mit medienwissenschaftlichem Ausblick“, in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften 2, S. 175-184.

2013: „Die Technik gibt den Ton an: Zur auditiven Medienkultur der Bioakustik.“, in Axel Volmar, Jens Schröter (Hg.): Auditive Medienkulturen. Techniken des Hörens und Praktiken der Klanggestaltung. Bielefeld: Transcript Verlag, S. 393 – 417.

2009: „Sensing the Street. Eine sinnliche Ethnographie der Großstadt.“ In: Sandra Maria Geschke (Hg.): Straße als kultureller Aktionsraum. Interdisziplinäre Betrachtungen des Straßenraumes an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 31–57 (zus. mit Maria Elisabeth Hiebsch und Fritz Schlüter).

2008:“Vorwort“ und „Begriffliche Drehscheibe.“ In: Alex Arteaga, Wolfgang Knapp und Rolf Lindner (Hg.): (Sensing the Street)³. Sinnliche Dokumentation einer ethnographisch-künstlerischen Stadtforschung. Berlin: Verlag der Universität der Künste Berlin.