Über das Kolleg

Das Graduiertenkolleg „Locating Media“ erforscht orts- und situationsbezogene Medienprozesse durch orts- und situationsbezogene Methoden. Der interdisziplinäre Forschungsverbund zielt hierzu auf die Zusammenführung qualitativer Untersuchungsmethoden und verbindet diese mit Forschungsfragen zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der digitalen Medien. Dazu werden Kompetenzen aus sozial-, informatik- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen, die entsprechende Pionierforschungen entwickelt haben, mit medienwissenschaftlichen Erkenntnisinteressen verknüpft.

Nachdem die erste Bewilligungsphase die Konvergenz der technischen, wissenschaftlichen, gestalterischen und alltagspraktischen Lokalisierung der Medien untersucht hat, erforscht die zweite Bewilligungsphase die verteilten Räume und distribuierten Situationen mobiler Medien- und Datenpraktiken. Dazu werden die bereits erprobten ethnographischen Methoden um digitale und mobile Methoden ergänzt. Auf diese Weise leistet das Graduiertenkolleg einen wichtigen Beitrag zur Methodenentwicklung in den Medien- und Sozialwissenschaften.


Mobile Medien fordern mobile Methoden. Die gegenwärtige Mediennutzung findet mittlerweile hauptsächlich auf mobilen Geräten statt – seien es Laptops, Tablets, Smartphones oder zunehmend „Wearable Devices“. Damit verbunden ist eine Erweiterung medialer Situationen, die nicht mehr auf einen Ort beschränkt bleiben, sondern sich durch virtuelle Ko-Präsenz, simultane Online- und Offline-Aktivitäten sowie verteilte Informationsinfrastrukturen auszeichnen. Medieninhalte werden zunehmend dynamisch und algorithmisch erstellt, wie datenintensive digitale Plattformen oder augmentierte Räume digitaler Bildmedien zeigen. Diese Entwicklung trägt insgesamt zu einer gesteigerten Mobilität der Medien und ihrer Daten im Raum bei und wirkt so auch auf die Konzeption der Geschichte vernetzter Medien zurück, die das Graduiertenkolleg durch eine praxeologisch orientierte Medienhistoriographie an der Schnittstelle zu den Science and Technology Studies untersucht. Übergreifendes Ziel des Graduiertenkollegs ist die Erforschung von Medien und Medienpraktiken „in motion“ und „in situ“.

Um eine möglichst große Zahl erfolgreicher Promotionen eng an die Forschungsentwicklung anzubinden, sieht das Qualifizierungskonzept des Graduiertenkollegs vor, VertreterInnen des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Betreuung der Promovierenden zu beteiligen. Durch die Integration von GastwissenschaftlerInnen, hochrangigen KooperationspartnerInnen und nicht zuletzt durch ein frauenspezifisches Mentoring-Programm werden die KollegiatInnen frühzeitig in akademische Netzwerke eingebunden. Dies soll die Selbständigkeit der PromovendInnen in der internationalen akademischen Öffentlichkeit stärken. Die zweite Förderphase des Graduiertenkollegs „Locating Media“ zeichnet sich dadurch aus, dass medienhistoriographische, ethnographische und digitale Methoden reflexiv in Beziehung gesetzt werden, um die verschiedenen „communities of practice“ der Medienforschung miteinander in einen Austausch zu bringen und auf diesem Wege die Grundlagenforschung der deutschen Medienwissenschaft zu vertiefen.